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Eckernförder Zeitung

Bildungsprojekt GINCO : Kenia: Frauen pochen auf ihre Rechte 

von Achim Messerschmidt
28. Januar 2019, 16:48 Uhr – Quelle: https://www.shz.de/22427907 ©2019 – Quelle: https://www.shz.de/22427907 ©2019

Die Osterbyerin Ulrike Behme-Matthiessen unterstützt mit ihrem Verein GinCo kenianische Frauen und Mädchen.

Osterby | Die Ergebnisse des weltweiten Berichts zur Gleichstellung sind ernüchternd. Die Lücke zwischen den Geschlechtern im Hinblick auf Gesundheit, Bildung, ökonomische Teilhabe und politische Mitwirkung ist gewachsen, wie der Bericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) zeigt. „Deutschland liegt nur auf Platz zwölf“, sagt Bibeth von Lüttichau, sogar noch hinter Ruanda. Für die Gleichstellungsbeauftragte des Amtes Hüttener Berge ein deutliches Signal dafür, dass in Sachen Gleichstellung von Mann und Frau noch viel zu tun ist – in Deutschland und weltweit.

Kenia - die patriarchale Gesellschaft

Besonders interessiert verfolgt sie das Projekt der Osterbyerin Ulrike Behme-Matthiessen und der Berlinerin Gudrun Korthus. Vor sechs Jahren haben die beiden „GinCo“ gegründet, mit dem Ziel, die Lebenssituation von Mädchen und Frauen in Kenia zu verbessern. „In Kenia verlassen mehr Mädchen als Jungen die Schule vorzeitig“, sagt Behme-Matthiessen. Sie arbeiten auf der Farm, machen den Haushalt, versorgen die Kinder, während die Männer in der patriarchalen Gesellschaft mit alledem nichts am Hut haben.

„Uns geht es vor allem um Selbstbewusstsein, persönliche Stärke und letztlich um ein selbstbestimmtes Leben“, Ulrike Behme-Matthiessen
Quelle: https://www.shz.de/22427907 ©2019

 
Als Ulrike Behme-Matthiessen 2012 ihre Tochter Maxie in Kenia besuchte, lernte sie Frauengruppen kennen, die selbstbewusst einen Ausweg aus diesem traditionellen Rollenverständnis suchten. „Einige Frauen gründeten kleine Sparclubs, es wurde Geld gesammelt, Kredite vergeben und Zinsen erhoben“, berichtet sie. So gelang es den Frauen, beispielsweise eine Ziege zu kaufen oder Schulgeld für die Kinder aufzubringen. Auch das Thema der sexuellen Gewalt wurde in diesen Gruppen ganz offen angesprochen. Das hat die Osterbyerin beeindruckt und sie bewogen, GinCo (Growth in Cooperation) aus der Taufe zu heben. Menschen aus Kenia und Deutschland arbeiten dabei Hand in Hand, um Mädchen einen Schulabschluss zu ermöglichen. „Uns geht es vor allem um Selbstbewusstsein, persönliche Stärke und letztlich um ein selbstbestimmtes Leben“, betont Behme-Matthiessen. Jedes Mädchen erhält zu Beginn der achten Klasse eine Solarlampe, um abends Hausaufgaben machen zu können. Die Mädchen, die die Primarschule mit der 8. Klasse abschließen, bekommen ein Paar Schuhe – auch als Symbol für den nächsten Schritt in ihrem Leben. „Das wird durch Schuhpatenschaften über 20 Euro ermöglicht“, sagte die Osterbyerin.



Die Gründerinnen von GinCo: Ulrike Behme-Matthiessen (re.) und Gudrun Korthus
Foto: Jean Molitor


 
Der Verein setzt auf die Initiative der kenianischen Frauen. Viele Frauen seien motiviert. Die Unterstützung soll so angelegt sein, dass die Mädchen im Verlauf ihres weiteren Lebens nicht mehr auf Wohltätigkeit angewiesen sind, sondern selber eine Lebensperspektive entwickeln können.
Frauenrechtlerin Mama Hamza (75) im Gespräch mit Jutta Wolf aus Eckernförde und dem Berliner Dr. Bernd Pfeiffer.
Frauenrechtlerin Mama Hamza (75) im Gespräch mit Jutta Wolf aus Eckernförde und dem Berliner Dr. Bernd Pfeiffer.
Foto: Jean Molitor


 
Im November war Ulrike Behme-Matthiessen zuletzt für mehrere Wochen in Kenia. Sie begleitete dort die GinCo-Gruppen. Denn die Mädchen- und Müttergruppen sind wesentlicher Bestandteil dieses Programms. In den Gruppen werden die Mädchen ermuntert, über eigene Sorgen zu sprechen, Bedürfnisse und Wünsche zu äußern und sich gegenseitig zu unterstützen. Sie üben, sich auszudrücken, in der Gruppe das Wort zu ergreifen und die eigene Position zu vertreten.



In den Gruppengesprächen können sich die Frauen offen äußern
Foto: Jean Molitor


 
Ebenso wichtig wie die Arbeit mit den Mädchen ist die Einbeziehung der Mütter. In regelmäßigen Treffen haben sie die Möglichkeit, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und sich selber neues Wissen auf den Gebieten Gesundheit, Ernährung, Sexualität, Alphabetisierung anzueignen. Die so fortgebildeten Mütter unterstützen die Mädchen vor Ort in der Schule, was die Präsenz von GinCo in den Schulen deutlich erhöht.
<p>Die Taschen wurden in der Eckernförder Berufschule gefertigt</p>
Die Taschen wurden in der Eckernförder Berufschule gefertigt
Foto: Jean Molitor

 



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