Im Mai 1990 gründete sich in Halle der Verein Hallische Familienforscher „Ekkehard“ e. V. Hervorgegangen aus einer im DDR-Kulturbund „geduldeten“ und ob ihrer Kontakte zu Kirchenorganen beargwöhnten Fachgruppe von Genealogen hat er sich laut Satzung „die wissenschaftliche Pflege, Forschung und Förderung der Genealogie und verwandter Wissenschaften“ sowie speziell die Erforschung der Schicksale eigener Vorfahren, aber auch berühmter Persönlichkeiten der Region zum Ziele gesetzt. Der Verein steht in der Tradition des Halleschen Genealogischen Abends „Ekkehard“ aus den 1920er Jahren und ist als gemeinnützig und wissenschaftlich arbeitend anerkannt.
Die Forschungen der mehr als 50 Mitglieder des Vereins aus mehreren Bundesländern gehen weit über das bloße Ermitteln von Daten aus den Kirchenbüchern hinaus, sondern  werden vertieft durch Aktenstudien zu den ökonomischen und anderen Lebensumständen im Kontext zu großen historischen Ereignissen. So spiegelt sich der Dreißigjährige Krieg oft in dramatischen Einzelschicksalen unserer Vorfahren wider und stellt wegen der Quellenverluste oft ein schwer überwindliches Hindernis bei der Verfolgung von Ahnenlinien in frühere Zeiten dar. Mancher unserer Forscher fand dabei auch Ahnengemeinschaften mit berühmten Personen, wie etwa Luther oder Händel. Seit 1993 veröffentlichen wir wichtige Arbeitsergebnisse in unserer vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift (s. Abb.: Titelblatt der neuesten Ausgabe) und dokumentieren damit unsere Bemühungen um Wissenserweiterung in nicht nur die eigene Geschichte betreffenden familien- und regionalgeschichtlichen Fragen. So erschienen Artikel zur Wirtschaftsgeschichte Halles oder aufgearbeitete, bislang unbekannte Quellen zur Orts- und Namenkunde, wie etwa die Mansfeldische Taxation von 1623 oder jüngst die Bauern des Amtes Giebichenstein von 1614. Großen Widerhall fand die Veröffentlichung von etwa 250 Namen in Halle verstorbener Teilnehmer der Leipziger Völkerschlacht. Vergessene Berufsgruppen wurden dargestellt, zuletzt die Türmer der hallischen Marktkirche. Es gab neue Details zu lesen, u. a. aus dem Leben berühmter hallischer Ärzte, Theologen, Baumeister und Juristen, so auch zu Georg Friedrich Händel im Sonderheft „Die Familie Händel und Halle“ zum Stadtjubiläum 2006.

 

Mitgliedern des „Ekkehard“ ist es zu danken, dass seit 2003 eine Tafel im Schwibbogen Nr. 60 des Stadtgottesackers an die dort bestatteten Eltern des großen Komponisten erinnert, und im „Ekkehard“ wurden zeitgleich die diesbezüglichen Quellen wissenschaftlich dargelegt. Überhaupt wurde die Forschung zu den Grabstätten auf diesem einzigartigen Begräbnisplatz durch Veröffentlichungen in unseren Heften unterstützt und darin Hinweise zur historisch fundierten Wiederherstellung einzelner Bögen gegeben.
Die Genealogie als eine fesselnde historische Hilfswissenschaft mit mannigfachen Bezügen zu anderen Gebieten wie Heraldik, Chronologie u. a. ermöglicht dem Forscher einzigartige Einblicke in die Welt der eigenen Vorfahren. Und es gibt noch sehr vieles zu entdecken! Wer sich dafür interessiert oder Hilfestellung erhofft, ist herzlich eingeladen. Treffpunkt ist in der Regel der 3. Donnerstag im Monat um 17 Uhr im Händelhaus.


Bernd Hofestädt, Vereinsvorsitzender
letzte Änderung: 18.01.2016

 

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